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Niagara Falls

	Motto


	Stets griffbereit
	das Wort beim
	Wort zu nehmen,
	die Grenzen dessen
	zu erkennen,
	stets den Pass
	zur Überschreitung
	in der Hand.











	Peter Bellmond - 2004


	Halbzeit


	Und immer
	ist nur Halbzeit,
	wenn ich das Ende glaube.

	Ganz
	bin ich
	immer!














	Albert Andries - 1992


	Paranoia


	Bedroht sein von der Umwelt
	bedroht sein von sich selbst,
	löst aus:
	dass man fortan in einen Graben springt,
	der nicht existiert.















	Sylvia Reuther - 1981


	Mein Gegenüber


	Ruheselig sitze ich auf einer Wolke.
	Ich merke ... jemand sitzt mir gegenüber,
	die so aussieht wie ich.
	Ich will sie ansprechen.
	Doch nur mit einem Lächeln reagiert sie.
	. . . Und ich weine!















	Sylvia Reuther - 1981


	Ich werde mir davonlaufen,
	davonlaufen,
	wenn ich die Bäche lispeln höre
	über mich.
  Ich werde mir davonlaufen, davonlaufen, wenn ich den Wind lachen höre über mich.
  Ich werde bis zum Tode rennen, bis zu meinem Tode, wenn ich die Menschen schweigen höre über mich. Wolfgang Hermsen - 1983

	Programm


	Poesie muss
	an die AußenMauern
	unseres InnenLebens
	geschrieben werden!















	Gerhard Seidel - 198x


	Bilder der Depression


	Schmeidig
	gleitet die Schmerznatter
	in meinen Magen
	und beißt sich fest.
	Sorgenwürmer verschleimen
	das Blut,
	mästen sich
	an meinen Nerven.
	Wahnviren pochen
	in den Schläfen,
	den Verstand aushölend.
	Angstpinnen weben Netze
	der Hysterie,
	in denen sich Werte
	verfangen.
	Panikgeier attackieren die Psyche,
	paaren sich mit Trübsalseulen,
	die den Blick verschleiern,
	Hoffnung ersticken.
	Mein zitterndes Es
	lässt tausende
	Todessehnsuchtslarven
	schlüpfen.
	Der letzte Glücksmoment
	badet in Perlen
	von Angstschweiß.



	Paula 2010 (bearb.)


	Im Ladengang
	Stehe ich bei Fritten hinten an
	Kommt ein Kerl wie ein Schrank
	Drängelt mich an die Wand
	Mein Rückgrat in Positur
	Einen Reflex unter die Frisur
	Platzen die Platten wie gehobelt
	Stürzen ins nächste Geschäft
	Von Nerz
	Chinchilla und Zobel
	Sirenen kilometerweit klingen
	Einsatzwagen, Polizisten springen
	Wollte Pommes mit Majo und Tunke
	Sitze jetzt ein wie ein Halunke
	Weiße Kittel und Spritzen jagen
	Mit endlos folternden Fragen
	Eine Sekunde.






	Heidrun-Auro Brenjo 2002 (bearb.)






	Da sind Worte reich an Steinen,
	ohne Zunge, ohne Herz,
	achtlos, ohne Schatten,
	der ein Licht vermuten lässt.

	Da sind Worte weiter Deutung,
	die Irrtum, Täuschung bergen,
	Misstrauen säen, mit Bedacht
	tiefe Wurzeln schlagen in die Angst.

	Da sind Worte, die verstummen,
	Motive, Ziele auseinandergleiten,
	sich verlieren, untergehen.









	Peter Bellmond - 1999 (bearb.)


	Verständigung


	Mein Sprachvermögen
	gilt den Duldsamen:
	wohl sind sie die an den Rand
	der Menschensammlungen gestreuten,
	denen ich Auskunft
	geben kann, die wollen
	es hören: sie halten
	ihr Muschelhaus offen: sie
	alleine werden
	die Sprache
	erfassen
	ohne Verlust.







	Peter Bellmond - 1977 (bearb.)


	Stumm der Stein
	in Gründen aus Ewig
	Stumm der Schrei
	des Menschen in Qual
	Stumm der Blick
	eines Gottes in Ferne
	Schweigen
	am Ende von Zeit.














	Peter Bellmond - 1998


	Rund wie die Erde,
	vielfältig
	ist die Wahrheit.
	Sie zieht Lügen an
	und bildet Atmosphäre,
	schleiergleich,
	angenehm und atembar.















	Matthias Schmidt - 1973


	Wirklichkeit
		heißt meine Mutter
		die ich
		   von Zeit
		   zu Zeit noch
		brauche . . .

    	   Ihren jüngeren Verwandten
       	   fühle
    	   ich mich
    	   hingegen
	    mehr
    	   verbunden - - -









	Matthias Schmidt - 1973


	Die Moderne sagte:
		    morgen
	Post-Moderne sagt:
		   gestern

	Übermorgen
	Sind wir
	An den Rand
	Der Zeit
	Gedrängt . . .
	Und schauen hinüber . . .











	Matthias Schmidt - 1983 (bearb.)


	Berühre die Glas-Perlen-Kette
	deiner Kindheit.
	Dreh dich um
	und schenke der
	Vergangenheit
	ein paar Gedanken.
	Such im Spiegel
	dein Kinderlachen.
	Nimm dich bloß nicht
	so tragisch ernst,
	dreh dir eine lange Nase
	und schrei:
	Ich bin es doch,
	ein alterndes Kind!








	Jutta Onken - 2000


	Familiär


	In unserem Museum -
	wir besuchen es jeden Sonntag -
	hat eine neue Abteilung geöffnet:
	Unsere abgetriebenen Kinder,
	blasse, ernsthafte Embryos,
	sitzen dort in schlichten Gläsern und
	sorgen sich um die Zukunft ihrer Eltern.
	Welchem Schicksal sie wohl entgangen sind?

	In unserer Wochenzeitung -
	wir kaufen sie jeden Freitag -
	hat ein neuer Bildbericht begonnen:
	Kinder dieser Welt,
	lebende Skelette, tränende Augen,
	vor Hunger aufgeblähte Leiber,
	misshandelte und verkaufte Babies,
	auch in Müllcontainern,
	Kleinstkinder, geschändet, auch von den eigenen
	Eltern, kaputt gemacht für den Rest des Lebens.
.

	Jutta Onken - 2000


	Wenn ich
	die Kälte am Baum meines Lebens
	nicht mehr fühlen,
	das hängende Ende der Schlinge
	vergessen würde,
	könntet ihr über mich richten
	und meinen Glauben aus dem Herzen reißen.
	Ihr seid klein, falsch, regt euch nur,
	um einen winzigen Vorteil zu gewinnen,
	bleibt aber stumm,
	wenn es um alle Menschen geht.
	Euch haben den Blick über euch hinaus
	das Fernsehgerät und Illusionen getrübt.
	Korrigiert lieber eure Kinder,
	bevor ihr Gerechtigkeit übt.







	Jutta Onken - 2000 (bearb.)


	Die Freiheit der Winde


	Schmäht nicht die Glocken
	die tönen dumpf
	nachts
  als Geländer der gute Wille aller mit unbestimmtem Schein über Treppenstufen Laternen auf Gusseisenpfählen und manchmal schaukeln Lampions die Freiheit der Winde zu nutzen wissen als Aufbruch. Martin Blumenthal - 1979

	Vermutungen über den Alltag


	Ich reiss ein Loch
	in den Alltag und
	werde es Heimat
	nennen,
	wenn ich es
		    am Abend
	noch erkenne.












	Peter Langen - 2004


	Der Mensch und sein Gott


	Gott  aus zu denken wollen
	ist ungefähr so,
	wie maßlos bestimmen
			zu wollen.















	Peter Langen - 2004


	Spuren
	eines Lächelns würdig
	wünsch ich meine
	Finsternis
	bevor ich sie verlasse
	in das nächste
	Nichts.
















	Peter Langen - 1998


	Vergesellschaftung


	Sei froh dass Du das nicht
	mehr sehen musst, Rudi.

	Deine Freundinnen und Freunde
	Halten jetzt die Ministerien besetzt.
	   Nicht aus Protest.
	   Nicht aus Solidarität.
	   Nicht zur Befreiung.

	Sie diskutieren gewiss.
	   Nicht über Protest.
	   Nicht über Solidarität.
	   Nicht über Befreiung.

	Sie haben sich entwickelt.
	Sie distanzieren sich.
	Sie vermarkten sich.

	Sie erinnern sich nicht
	An vergangene Zeiten.

	Sei froh dass Du das nicht
	mehr hören musst, Rudi.
	Für Deine Freundinnen und Freunde
	Bist Du heute ein Terrorist.


	Miriam Rheinhard - 2001 (bearb.)


	Herbstlaub


	Wir gingen
	durch das Herbstlaub
	der Übergangszeiten
	die Weisungen Gottes haltend
	der stumm blieb
	spurlos verstummt

	Spurlos gingen auch wir
	nicht mal Rascheln des Laubes
	wir waren wie Federn
	und fielen nicht ins Gewicht
	der welken Übergangszeiten

	Es waren Zeiten
	wo man vom Laub sprach
	wegen der Schönheit
	der Schönheit
	der Pressesprecher sagte:
	Schweigen ist besser
	wegen der Schönheit
	der Schönheit
	der goldenen Blätter

	Die Bäume wuchsen stumm
	und ohne Wurzeln
	wie verurteilend
	auch wir waren wurzellos
	und blieben wortfern

	Wir gingen
	durch das Herbstlaub
	der Übergangszeiten
	das schmerzvoll
	in der Zeit verfiel


	Miriam Rheinhard - 2001 (bearb.)


	Das Stirnband


	Politisch bin ich stets korrekt,
	sag nur was rund ist und nicht eckt,
	trag meinen Maulkorb würdevoll
	als guter Mensch nach Fuß und Zoll.

	Das Stahlband rund um meine Stirn,
	bewacht erfolgreich mein Gehirn,
	damit sich Sprache nicht vergreift
	und auf ein falsches Wort versteift.

	Wenn ich aus altem Kinderbuch
	Geschichten vorzulesen such,
	sag ich an manchen Stellen "piep" -
	da bleibt so manches Wort im Sieb.

	Ich rüttle nicht am Gitterstab,
	wünsch die Zensur nicht in ihr Grab,
	prüf jedes Wörtchen auf Verdacht,
	bevor man mich zur Schnecke macht.

	Am besten halt ich ganz den Mund,
	dann hab' ich noch das dickste Pfund:
	Der Shitstorm bleibt mir so erspart
	und mein Gemüt vor Leid bewahrt.


	Ilka-Maria - 2015




	Poeme de Noel


	Il neige des gros flocons,
	blancs sont déjâ les champs,
	je cherche l'enfant (de Noel) (en moi-méme),
	mais il ne me reste que le rêve de mon enfance.
















	Ulrike Stahl - 1992


	Chrysanthemen am Wegesrand,
	Täglich verseucht, verwelken,
	Frischer Samen weht auf Stein,
	Wird er die Felsen räumen?

	Was in die Furchen der Äcker fiel
	Wird mit der Ernte ausgerissen,
	Allein, der sich in Spalten rieb,
	Treibt jährlich Blüten dazwischen.














	Udo Frentzen - 1973


	Gittertore zerteilen den Blick,
	Nur wenige stehen am Abend
	Vor der ausgestorbenen Fabrik.
	Fast alle hasten stumm entlang
	Und folgen der Häuserreihe
	Mit scheinender Ladenfront.
	Ihre Augen gefesselt vom Glanz,
	Haften am lockenden Hort, -
	Von ihm sind sie eingefangen, -
	Sucht einer des anderen Wort,
	Er findet es nicht.












	Udo Frentzen - 1971


In Einsamkeit
Viele Kilometer von der nächsten Behausung
Im leichten Flackern eines Birkenholzfeuers
Saugt ein einfacher, genauer Kopf Seine Zeilen auf,
Verfolgende Augen eines Spions zerstückeln das Bild
Zu berichten: 'Seine sanfte Stimme hat nie gesprochen.'

In Verlassenheit
Abgetrennt von Abteilungen für Genesende
In einem gedämpften Bereich für Sterbende,
Eines Kranken Atem verlangsamt sich, gibt auf,
Toxische Drogen erstarren sein Gesicht in Agonie
Zu beweisen: 'Seinen Frieden hat es nie gegeben.'










	Udo Frentzen - 1990
	(übersetzt von U. F. 2012)


Lebend, bewegend und wach zu sein
Ist besser als alle Zeit, die nicht bleibt.






















	Wen Notta - 1982
	(übersetzt von U. F. 2013)


	Schlanke Stangen sprießen zu Laub,
	Zäunen posierend gewerkt das Gut,
	Führen zum geschwungenen, offenen Tor,
	Um des Besitzers Gastlichkeit zu zeigen, -
	So demonstrieren Sprache und jedes Wort
	Schutz und Schlüssel seines Verstandes.















	Wen Notta - 1981
	(übersetzt von U. F. 2013)


	Du hast Herz und Engagement,
	Dein Freund wird sich erinnern.

	Jetzt haut dich ein armer Bettler an,
	Seine Haut und Haare riechen septisch,
	Der Mantel fällt lose und offen, -
	Kleider sind von Adam's Sünde.

	Er spuckt und flucht mangeldes Glück,
	Angelt sich einen Knochen vom Abfall,
	Käuft sich von deiner Spende Alkohol, -
	Sei zwanzig und wieder kräftig.

	Drehe dich nicht vor Lumpen um
	Oder schaudere vor Verworfenheit, -
	Verstehe und vergebe es,
	Er wird dir dafür danken.




	Wen Notta - 1981
	(übersetzt von U. F. 2013)


	Einmal ward im Paradies gesündigt
	Einmal wurde das Gesetz verkündigt
	Einmal wandelte der Herr auf Erden

	Sieh Licht und Frieden, entscheide
	Jesus oder Sünde, wer von beiden?

	Einmal wird dein Herz im Tode brechen
	Einmal wird dir Gott das Urteil sprechen
	Einmal wird sein Wort in Schwere treffen











	Anonym - 2009 (bearb.)


	Ein Wanderer nimmt seinen Stab
	Und setzt aus, Ort nach Ort
	Das himmlische Land zu erreichen,
	Das der Herr seinen Erben gab.

	Er wandert freudig gegen das Ziel,
	Die Schultern drückt das Kreuz,
	Das ihm als Glaubenslast auferlegt
	Und Sein Wort den Weg vorgibt.

	Die schwere Last zwingt ihn zum Ruhen,
	Er kann nicht mehr, er nimmt sie ab,
	Mit einer Säge kürzt er den Mittelstamm
	Und kann mit festen Schritten ziehen.

	Die Pilgerfahrt ist nun leicht und gut,
	Er steht am Grenzfluss der Sühne
	Und ein Bruder wirft sein langes Kreuz
	Als trockene Brücke über die Flut.

	Seins ist jedoch um Einiges zu kurz
	Und er ruft den Bruder um Hilfe an,
	Der: 'Welchen Teil hast du abgesägt?'
	Er: 'Den der sozialen Verantwortung.'

	Anonym - 2010 (bearb.)


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